Mental Health in Zeiten von Remote Work

Der Arbeitsplatz steht im Mittelpunkt des Lebens vieler Menschen. Daher ist es wichtig, der Gesundheit und insbesondere der mentalen Gesundheit genügend Aufmerksamkeit zu schenken.

Psychische Erkrankungen sind heute die häufigste Ursache für Frühverrentung und Fehlzeiten. Die Gründe dafür sind vielfältig und finden sich nicht nur in der Arbeitswelt.

Das Arbeitsumfeld und die Arbeitsbedingungen können sich jedoch immens auf die psychische Gesundheit auswirken.

Beispiele für mentale Belastungen sind:

  • Zeitdruck
  • Stress
  • eintönige Tätigkeiten
  • fehlende Ruhemöglichkeiten
  • schlechte oder unregelmäßige Ernährung

Psychische Probleme äußern sich oft in zwischenmenschlichen Kontakten, im Arbeitsverhalten oder der Produktivität. (1) (2) (3)

Welche Auswirkung kann Homeoffice auf die mentale Gesundheit haben?

Die Verlagerung unternehmensbezogener Tätigkeiten an einen anderen Standort wird mit vielen Begriffen und Definitionen beschrieben.

Orts- und zeitflexibles Arbeiten wird unter anderem bezeichnet als:

  • Remote Work
  • Mobile Work
  • Heimarbeit
  • Homeoffice

Dank der zunehmenden Digitalisierung in deutschen Unternehmen stieg die Arbeit im Homeoffice während der Covid-19 Pandemie.

Rund 16 %, der in einer Umfrage aus dem Jahr 2021 (4) befragten Arbeitnehmer*innen, arbeiteten ausschließlich oder überwiegend von zu Hause aus. Weitere 17 % gaben an, abwechselnd bei der Arbeit und zu Hause zu arbeiten.

Damit ist der Anteil der Mitarbeiter*innen, die zu Hause arbeiten, deutlich in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Welche Gefahren kann Homeoffice haben?

Remote Work kann mit Gefahren behaftet sein. Bespiele dafür sind:

  • Einsamkeit
  • psychischer Überlastung
  • Karrierenachteile

Diese Faktoren können die mentale Gesundheit beeinträchtigen. (2) (4) (9) (10)

Warum sind Arbeitnehmer*innen von „Mental Health“ Problemen betroffen?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) warnt in ihrer Recherche schon lange vor den Folgen, wenn Beschäftigte lange nach Feierabend am Arbeitsplatz bleiben. Die erhöhte Autonomie, die Menschen durch flexible Arbeitszeiten und einen flexiblen Standort erhalten, wird die negativen Auswirkungen der Arbeit von zu Hause aus nicht ausgleichen.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine kontinuierliche Verfügbarkeit mit einem höheren Stress- und Burn-out-Risiko sowie gesundheitlichen Problemen verbunden ist.

Kaum Unterbrechungen sowie eng getaktete Videokonferenzen. Darüber hinaus noch fehlender Face-to-Face-Kontakt. All dies kann zu Reizbarkeit, Erschöpfung oder Isolationsgefühlen im Homeoffice führen. Die Arbeitszeiten nehmen mit Homeoffice zu. Gerade weil Arbeitstelefone und Laptops oft bis spät in die Nacht eingeschaltet bleiben. Die klassische Zeitstempeluhr gibt es nicht mehr.

Es gibt einen Hauptunterschied zwischen reinen Büroangestellten und Menschen, die Homeoffice nutzen. Dieser besteht darin, dass „sich in Letzterem die Trennung zwischen privatem und beruflichem Bereich auflöst“.

Sie arbeiteten eher abends oder am Wochenende. Viele von ihnen berichteten, dass ihr Chef sie nach Feierabend anrief oder ihnen eine E-Mail schickte. Dies ist einer der Gründe, warum Arbeitnehmer*innen, die von zu Hause aus arbeiten über Probleme bei der Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf klagen.

Fast 75 % der Befragten, die oft von zu Hause aus arbeiten, fühlten sich erschöpft. Fast 70 % fühlten sich nervös, wütend und gereizt.

Die Arbeit von zu Hause kann große Vorteile haben: das Home Office hilft vielen Arbeitnehmer*innen, Beruf und Privatleben besser in Einklang zu bringen. Aber der Preis dafür ist, dass die Privatsphäre und die Zeit zum Entspannen reduziert werden. (5) (7) (11)

Gibt es Gegenmaßnahmen für „Mental Health“ Probleme?

Für die mentale Gesundheit ist eine gesunde Unternehmenskultur entscheidend. Hier muss sich in erster Linie das Management um die Mitarbeiter*innen kümmern, sie bei ihrer Arbeit unterstützen und in Entscheidungen einbeziehen. Arbeitspsychologische Angebote sollten selbstverständlich sein und von Mitarbeiter*innen jederzeit anonym genutzt werden können. Auf diese Weise könnten Unternehmen und Mitarbeiter*innen Krisensituationen besser bewältigen.

Diese Risiken lassen sich jedoch verhindern, wenn klare Betriebsregeln geschaffen und die notwendigen Rahmenbedingungen erfüllt werden, so eine Studie (5) von Forscher*innen des Instituts für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WSI) und des Joint Definition and Corporate Governance Institute vom April 2021.

Arbeitgeber*innen sollten Schulungen zu Zeit- und Selbstmanagement, Stressbewältigung oder Gesundheitsförderung anbieten. Darüber hinaus sollten sie Regeln für eine effektive und durchdachte interne Kommunikation aufstellen.

Zurzeit haben die meisten Unternehmen keine ausschließlich digitale Lösung. Viele bieten einen Mix aus Online- und Präsenzkomponenten an. Unter anderem kommen Check-up-Manager zum Einsatz, die die Vitalparameter von Mitarbeiter*innen messen.

In einem anderen Usecase stehen Betriebsärzt*innen den Teilnehmer*innen für Vorsorgegespräche zur Verfügung. Einige Unternehmen planen, ihr Angebot um Coaches zu erweitern. Die dann vor Ort zu verschiedenen Aspekten der Gesundheitsförderung beraten. (4) (9) (11) (12)

eHealth im Kontext des betrieblichen Gesundheitsmanagements?

Die Digitalisierung ermöglicht es, bestehende oder neu erworbene BGM-Daten in ein digitales Format zu konvertieren.  Dazu nutzen Unternehmen beispielsweise Mental Health Apps und tragbare Sensoren (Wearable Devices).

Das Ziel ist, Betroffenen von mentalen gesundheitlichen Problemen nachhaltig durch innovative digitale Lösungen zu helfen.

Gibt es „Mental eHealth“ Usecases in Deutschland?

Der BKK Dachverbandes e.V. hat eine Initiative ins Leben gerufen. Die Initiative ist Teil des BGM 4.0. Gemeinsam mit fast 60 Expert*innen aus Unternehmen, Wissenschaft und digitalen Diensten wurden neue innovative Internet-Präventionsangebote für Unternehmen und ihre Mitarbeiter*innen entwickelt. Das Resultat ist die „Machine-Learning-basierte“ App „Mein Phileo“.

Mit der „Mein Phileo“-App des BKK Dachverbandes e. V. lernen Nutzer*innen, mit situativen Belastungen am Arbeitsplatz besser umzugehen, ihr Wohlbefinden zu verbessern und ihre psychische Gesundheit zu stärken. Die Inhalte reichen von Problemlösung, Selbstmanagement und Zeitmanagement bis zur Organisation der eigenen Arbeit. Arbeitsplatzsimulationsübungen binden das Tool praktisch in den Alltag ein. (3)

Wie sieht die Zukunft mentaler Gesundheit am Arbeitsplatz aus?

Das Homeoffice dürfte in der Industrie 4.0 auch in Zukunft eine größere Rolle in der Arbeitswelt spielen: Auf die Frage, ob sie erwarten, dass sich das Homeoffice in Zukunft weiter verbreitet, antworteten 70 % der Befragten in einer  Umfrage (6) mit Ja. Durch die Schaffung von entsprechenden Arbeitsbedingungen, der Anwendung neuer Lösungen wie der  „Mein Phileo“-App vom BKK Dachverband  e. V. und der Förderung von Gesundheitskompetenz können Unternehmen ihren Teil dazu beitragen, die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter*innen zu erhalten. (10) (13) (14)

Weiterführende Informationen

Dein Experte

Hosun Lee
Hosun LeeDigital-Health-Experte Bornholdt Lee GmbH

Product Owner, IT-Experte, eHealth Specialist, Mentor im eHealth-Netzwerk Hamburg. Über 20 Jahre IT-Projekterfahrung und Konzeption zahlreicher digitaler Gesundheitsanwendungen.

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