Wearables: Digital-Health-Devices für den Alltag

Das Fitnessarmband, die Smartwatch, der Smart Ring – „Wearables“ (zu Deutsch „tragbare Geräte“) sind kleine, am Körper getragene vernetzte Computer, die uns im Alltag unterstützen. Sie messen unter anderem die Herzfrequenz, den Puls und unsere tägliche Bewegung. Und ihr Einfluss auf das Gesundheitswesen wächst rasant: Laut aktuellen Prognosen soll die Zahl der weltweit verkauften Wearables von rund 150 Millionen im Jahr 2019 auf 280 Millionen im Jahr 2028 steigen, wobei das eigentliche Wachstum von intelligenten, KI-gestützten Geräten kommt. (1) (2)

Was sind bekannte Beispiele für Wearables?

Bekannte Beispiele für tragbare Geräte sind Fitnessarmbänder und Smartwatches wie die Apple Watch oder die Samsung Galaxy Watch. Seit einigen Jahren ergänzen zudem traditionelle Uhrenmarken ihr Angebot um Smartwatches, darunter TAG Heuer und Montblanc. Neu hinzugekommen ist eine dritte Kategorie: Smart Rings – dezente, ringförmige Wearables, die ohne Display auskommen und mit geringerer Strahlungsleistung arbeiten. Auch sie messen kontinuierlich Vitaldaten wie Schlaf, Herzfrequenz und Stresslevel und gewinnen seit 2025 deutlich an Marktrelevanz. (3)

Wearables beinhalten Computertechnologie, die wir am Körper oder auf dem Kopf tragen können. Ihr Ziel ist es, körperliche und mentale Aktivitäten im Alltag zu unterstützen – etwa durch Einschätzungen, Informationen und Anleitungen.

Wearables als Teil des Gesundheitswesens

Durch eine verbesserte Konnektivität, Miniaturisierung und Kostenreduktion setzen wir auch in Medizin und Pflege vermehrt auf Wearables: So gibt es digitale Geräte, die den Blutdruck messen, den Blutzucker überwachen oder die allgemeine Fitness bestimmen.

Deutschland ist dabei europäischer Spitzenreiter: Laut dem Better Health Report 2025 von Simon-Kucher und AESGP setzen 88 Prozent der Deutschen auf Apps, Wearables oder Nahrungsergänzungsmittel zur Gesundheitsvorsorge. Und 77 Prozent geben an, dass ihr Bewusstsein für Prävention in den letzten fünf Jahren gestiegen ist. (4)

Inwiefern unterstützen Wearables die Gesundheit?

Das Tracking mit Sensoren, Anwendungen, Hard- und Software sowie die mobile Informationsverarbeitung gehören zu den Hauptaufgaben von Wearable-Devices. Die Geräte sammeln Daten aus dem Verhalten (z. B. einer Aktivität), der Umgebung und dem physiologischen Zustand (z. B. Puls, Herzfrequenz) der Benutzer*innen.

Sie werden zunehmend zur Überwachung und Prävention chronischer und akuter Krankheiten genutzt und ermöglichen Patient*innen mehr Eigenverantwortung für ihr Wohlbefinden. (5) (6)

Weiterhin liefern sie medizinischem Personal wertvolle Insights zur Diagnose, Vorbeugung und Krankheitsüberwachung. Dies kann den Behandlungsaufwand von Therapeut*innen und Ärzt*innen deutlich reduzieren und sich positiv auf die Kosten von Behandlungen auswirken. Ein Potenzial, das Pharmaindustrie, Krankenkassen und viele Ärzt*innen bereits erkannt haben.

Immer mehr Ärzt*innen nutzen die Daten von Smartwatches, Fitnessarmbändern und Smart Rings, um Diagnosen zu stellen und präventive Maßnahmen zu ergreifen. (5) (6)

KI als Schlüsseltechnologie

Künstliche Intelligenz (KI) ist 2026 das beherrschende Thema bei Wearables. Moderne Systeme wie Garmins „Training Readiness“ oder Samsungs „Energy Score“ verknüpfen Schlafdaten, Stresslevel und körperliche Aktivität und geben ganzheitliche Empfehlungen für den Tagesablauf. Diese „Actionable Intelligence“ löst eines der größten Probleme früher Wearables: die Datenflut ohne konkreten Nutzwert. (7)

Der entscheidende Fortschritt liegt heute weniger in neuer Hardware als in der algorithmischen Datenverarbeitung: On-Device-KI analysiert dauerhaft gesammelte Daten direkt auf dem Gerät und ermöglicht proaktive, personalisierte Gesundheitshinweise – in Echtzeit und ohne Verbindung zur Cloud. (6)

So können Wearables in Kombination mit KI bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes eine wertvolle Unterstützung bieten: Mithilfe von selbstlernenden Algorithmen werden Gesundheitsdaten analysiert und interpretiert, Krankheitsverläufe besser vorhergesagt und personalisierte Therapieansätze entwickelt.

Gleiches gilt für Menschen mit Adipositas: Laut einer Studie des British Journal of Sports Medicine können tragbare Geräte effektiv beim Abnehmen helfen, vor allem in Kombination mit anderen Interventionen wie Ernährungsberatung. Die Nutzer*innen erhalten Einblicke in ihr motorisches Verhalten, die Herzfrequenz und ihre Kalorienaufnahme und werden zu einem aktiveren Lebensstil ermutigt. (8)

Risiken von Wearables

Wearables bieten neue Möglichkeiten, bringen jedoch auch Herausforderungen mit sich – insbesondere beim Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten. (10)

  • Messungenauigkeit: Eine Studie der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) vom April 2025 untersuchte zehn marktführende Modelle bei 30 Probanden. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: Bei der Kalorienberechnung wurden Fehlerquoten von bis zu 21 % gemessen. Für medizinische Entscheidungen ist eine kritische Einordnung der Daten daher unerlässlich.
  • Erhebung sensibler Daten: Standort-, Gesundheits- und Bewegungsdaten können ein detailliertes Nutzerprofil ermöglichen.
  • Datenschutzverletzungen: Bei unbefugtem Zugriff lassen sich Rückschlüsse auf Gesundheitszustand oder Verhalten ziehen.
  • Missbrauchspotenzial: Quantified-Self-Daten können zu Fehlinterpretationen oder zur Weitergabe an Dritte führen.
  • Interoperabilität: Apple und Samsung binden ihre Geräte strikt an die eigenen Betriebssysteme. Der Datenaustausch zwischen verschiedenen Gesundheitsökosystemen wird dadurch erschwert.
  • Selbstoptimierungsdruck: Ständige Leistungsmessung kann Stress auslösen und das Wohlbefinden beeinträchtigen.
  • Ethische Fragen im Arbeitskontext: Unklar ist, ob Arbeitgeber Wearables vorschreiben dürfen oder damit in die Privatsphäre eingreifen.
  • Psychische Belastung: Permanente Überwachung kann zu Verunsicherung oder Kontrollverlust führen.

Chancen von Wearables

Gleichzeitig eröffnen Wearables im Gesundheitswesen neue Möglichkeiten für Versorgung, Prävention und Eigenverantwortung.

  • Früherkennung: Vitaldaten ermöglichen ein frühzeitiges Erkennen gesundheitlicher Veränderungen oder Risiken.
  • Prävention: Wearables unterstützen Nutzer*innen dabei, aktiv etwas für ihre Gesundheit zu tun.
  • Fernüberwachung: In Ländern wie den USA werden Patient*innen schon heute außerhalb der Klinik kontinuierlich begleitet.
  • Telemedizinische Versorgung: Daten können direkt an Ärzt*innen übermittelt und in digitale Behandlungen eingebunden werden.
  • Individuelle Therapieansätze: KI-gestützte Analysen ermöglichen personalisierte Empfehlungen in Echtzeit.
  • Patient Empowerment: Nutzer*innen erhalten mehr Einblick in ihre eigenen Gesundheitsdaten.
  • Niedrigschwellige Versorgung: Mobile Geräte und Apps erleichtern den Zugang zu medizinischen Leistungen, insbesondere in ländlichen Regionen.
  • Mentale Gesundheit: Viele Geräte integrieren 2025/2026 Achtsamkeitsfunktionen, z.B. Atempausen, Fokusübungen und Schlafhygienehinweise und leisten damit auch im psychischen Bereich einen wachsenden Beitrag.

Welche Firmen sind in Deutschland Vorreiter?

Die eHealth-Branche in Deutschland entwickelt sich zunehmend in Richtung „Patient Empowerment„. Nutzer*innen sollen Zugang zu ihren eigenen Gesundheitsdaten bekommen und diese aktiv einsetzen können.

Ein Beispiel ist das Jenaer Start-up Preventicus. Das Unternehmen hat eine App entwickelt, mit der Smartphone-Nutzer*innen mithilfe von Kamera und Blitz ihre Herzfrequenz messen und Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkennen können. Dafür wird lediglich die Fingerkuppe auf die Kamera gelegt, die durch den Blitz den Puls am Finger erfasst. Solche niedrigschwelligen Angebote können ein wichtiger Baustein in der Früherkennung sein und helfen, Risiken wie Schlaganfälle oder Blutgerinnsel rechtzeitig zu erkennen.

Darüber hinaus hat sich der Markt seit 2023 deutlich weiterentwickelt: Zahlreiche deutsche Digital-Health-Unternehmen arbeiten daran, Wearable-Daten in zertifizierte DiGA (Digitale Gesundheitsanwendungen) zu integrieren, sodass die erfassten Daten künftig direkt in die elektronische Patientenakte (ePA) einfließen und für die behandelnde Ärzteschaft nutzbar werden.

Wie sieht die Zukunft von Wearables aus?

Mobile Sensoren werden in der Medizin künftig eine zentrale Rolle spielen. Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen und der demografische Wandel erhöhen den Bedarf an Lösungen, die langfristig entlasten und gleichzeitig eine hochwertige Versorgung ermöglichen.

Wearables können dazu beitragen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder hinauszuzögern, indem sie eine kontinuierliche Überwachung und eine frühzeitige Reaktion auf Veränderungen ermöglichen. Für ältere Menschen oder chronisch Erkrankte kann dies die Lebensqualität deutlich verbessern.

Aus unserer Sicht werden vor allem diese drei Entwicklungen von Wearables die nächsten Jahre prägen:

1.  KI-Integration: Wearables werden nicht mehr nur Daten sammeln, sondern diese eigenständig interpretieren und konkrete Handlungsempfehlungen geben – zunehmend auf dem Gerät selbst, ohne Cloud-Abhängigkeit.

2.  Klinische Validierung: Smartwatches entwickeln sich zu klinischen Instrumenten. Der Druck auf Hersteller, ihre Messmethoden durch unabhängige Studien zu validieren, wächst – und damit auch die Verlässlichkeit der Daten für den medizinischen Einsatz. (9)

3. Systemintegration: Die Vernetzung von Wearable-Daten mit der elektronischen Patientenakte (ePA) und DiGA schafft ein durchgängiges digitales Gesundheitsökosystem – von der Selbstmessung bis zur ärztlichen Behandlung.

Kostengünstige, zuverlässige Technologien schaffen außerdem neue Möglichkeiten für die Fernbehandlung: Ärzt*innen können Vitaldaten auswerten, ohne dass ein persönlicher Termin notwendig ist. Für viele Patient*innen bedeutet das mehr Flexibilität und für das Gesundheitssystem eine spürbare Entlastung.

Weiterführende Informationen

  1. Friend et al., Wearable Digital Health Technology, New England Journal of Medicine, 2023 – https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMe2303219
  2. Robeco, Consumer trends in 2026: Safety, security and the wearables comeback – https://www.robeco.com/en-int/insights/2026/02/consumer-trends-in-2026-safety-security-and-the-wearables-comeback
  3. Apotheken Umschau, Wearable am Finger – das können Smart-Ringe für die Gesundheit leisten – https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/sport-und-bewegung/smart-ring-am-finger-das-koennen-wearables-fuer-die-gesundheit-leisten-1246067.html
  4. Apotheken Umschau, Health Wearables – https://www.apotheken-umschau.de/e-health/health-wearables-852015.html
  5. Simon-Kucher, Better Health Report 2025 – Gesundheit neu gedacht: Prävention, KI und Selbstbestimmung –https://www.simon-kucher.com/de/wer-wir-sind/newsroom/better-health-report-2025-gesundheit-neu-gedacht-praevention-ki-und
  6. Bundesministerium für Gesundheit, U-WaTCH – Utilizing WearAble TeCHnology for Enhanced Monitoring – https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/ressortforschung/handlungsfelder/forschungsschwerpunkte/long-/post-covid/modul-2/u-watch
  7. Xi et al., Integrating wearable health devices with AI and edge computing, Journal of Cloud Computing, 2025 – https://link.springer.com/article/10.1186/s13677-025-00795-0
  8. McDonough et al., Health wearable devices for weight and BMI reduction in individuals with overweight/obesity and chronic comorbidities, British Journal of Sports Medicine, 2021 – https://bjsm.bmj.com/content/55/16/917
  9. INTERLIVE Network, Consumer wearable devices for the measurement of heart rate and energy expenditure: expert statement and checklist, British Journal of Sports Medicine, 2021 – https://bjsm.bmj.com/content/55/14/767
  10. BfArM, Interoperabilitätsanforderungen an digitale Gesundheitsanwendungen, Webinar 2023 – https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Service/Termine-und-Veranstaltungen/veranstalt/2023/20230328/folien_bfarm.pdf?__blob=publicationFile

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Malte Bornholdt Experte für Digital Health
Malte BornholdtDigital-Health-Experte Bornholdt Lee GmbH

Product Owner, IT-Experte, Digital-Health-Spezialist mit über 20 Jahren IT-Projekterfahrung in der Konzeption und Umsetzung digitaler Gesundheitsanwendungen.

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