ZPP-Zertifizierung für digitale Präventionskurse

Viele, die eine digitale Gesundheitslösung entwickeln, denken sofort an die DiGA. Verständlich – der Weg über das BfArM-Verzeichnis ist bekannt, gut dokumentiert und gilt als der große Einstieg in die GKV-Erstattung. Was dabei oft übersehen wird: Es gibt einen zweiten, deutlich weniger bekannten Weg in die Kostenerstattung. Und der lohnt sich – besonders für Präventions- und Gesundheitsförderungsangebote.

Die ZPP-Zertifizierung für digitale Präventionskurse und digitale Anwendungen nach § 20 SGB V. Seit 2014 zentral, bundesweit und kassenübergreifend. Ein einziger Prüfprozess durch die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) und alle angeschlossenen Krankenkassen erkennen das Ergebnis an und das kostenfrei.

Was ist die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP)?

Die ZPP ist keine eigenständige Behörde, sondern eine Kooperationsgemeinschaft aller gesetzlichen Krankenkassen. Ihre Aufgabe: ZPP-Kurse und digitale Angebote einheitlich nach den Qualitätskriterien des GKV-Leitfadens Prävention zu prüfen und zu zertifizieren. Wer das ZPP-Prüfsiegel trägt, ist bundesweit bei allen beteiligten Krankenkassen erstattungsfähig – ohne weitere Einzelprüfungen.

Rechtliche Grundlage ist der Präventionskurs nach § 20 SGB V, der Krankenkassen verpflichtet, Primärprävention und Gesundheitsförderung zu unterstützen. Den dazugehörigen Rahmen setzt der ZPP-Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes – zuletzt aktualisiert im Dezember 2025. Für volldigitale Angebote ist vor allem Kapitel 7 relevant, das 2020 eingeführt wurde und erstmals selbstgesteuerte, kursleiterfreie digitale Anwendungen ermöglicht.

Warum lohnt sich eine Krankenkassen-Zertifizierung für deine App?

ZPP-zertifizierte Angebote sind keine Therapietools. Sie helfen Menschen, gesund zu bleiben – und genau dafür zahlen gesetzliche Krankenkassen.

Der Unterschied zur DiGA (Digitalen Gesundheitsanwendung) liegt im Zweck:

  • ZPP bedeutet: Prävention
  • DiGA bedeutet: Therapie und Behandlung

Daraus folgt, dass ZPP-Angebote kein Medizinprodukt nach MDR sein müssen, was bei der DiGA zwingend ist. Während DiGA per Rezept vollständig erstattet werden, bezuschussen Krankenkassen ZPP-zertifizierte Präventionskurse anteilig – je nach Kassensatzung unterschiedlich hoch.

Die GKV-Zertifizierung über die ZPP ist kostenlos und gilt drei Jahre; beim BfArM fallen Gebühren an, und die Aufnahme ins DiGA-Verzeichnis ist dauerhafter, aber auch deutlich aufwendiger.

Für Anbieter bedeutet das: ein überschaubarer Zertifizierungsweg, ein reales Geschäftsmodell und Zugang zu Millionen GKV-Versicherter, die ihre Krankenkasse aktiv nach bezuschussten ZPP-Kursen fragen.

Frau leitet Sportgruppe draussen mit iPad an

Welche Formate sind bei der ZPP zertifizierbar?

Der ZPP-Leitfaden unterscheidet drei Typen digitaler Präventionsangebote:

  • Internet-Interventionen sind strukturierte Online-Trainingsprogramme, typischerweise mit vier bis zehn Einheiten über mehrere Wochen. Sie orientieren sich an klassischen Präsenzformaten – nur digital, mit optionalem E-Coaching.
  • Mobile Anwendungen funktionieren anders: kein fixer Kursablauf, sondern kontinuierliche, alltagsbegleitende Nutzung. Verhaltensänderung durch Wiederholung, Tracking, Feedback. Das Smartphone als täglicher Begleiter.
  • Hybride Trainingskonzepte kombinieren beides: strukturierte Lernphasen plus mobile Kurzinterventionen. Ein Stressmanagement-Kurs mit wöchentlichen Modulen und täglichen Atemübungen in der App – das ist das Prinzip.

Dazu kommen noch die klassischen Präsenzkurse und Live-Online-Kurse nach Kapitel 5 des Leitfadens – also Yoga-Kurse im Studio, Rückenschule in der VHS oder Stressbewältigungskurse per Videokonferenz. Die sind zahlenmäßig sogar die große Mehrheit der ZPP-zertifizierten Angebote.

Die vier Handlungsfelder der ZPP-Prävention

Eine ZPP-Zertifizierung ist nur innerhalb der vier definierten Handlungsfelder möglich:

  • Bewegungsgewohnheiten (z.B. Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Sturzprävention)
  • Ernährung (z.B. ausgewogene Ernährung, achtsames Essen, Reduktion ungesunder Lebensmittel)
  • Stress- und Ressourcenmanagement (z.B. Entspannungstechniken, Schlafqualität, Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit)
  • Suchtmittelkonsum (z.B. Reduktion von Tabak- und Alkoholkonsum).

Auch handlungsfeldübergreifende Angebote sind grundsätzlich möglich.

Junge Frau mit roten Haaren hört mit geschlossenen Augen über ihre Kopfhörer Musik oder Podcast

ZPP-Zertifizierung Voraussetzungen: Was du brauchst

Nachweis des gesundheitlichen Nutzens

Das Herzstück jeder ZPP-Zertifizierung für digitale Präventionskurse: Du musst nachweisen, dass dein Angebot messbar wirkt – anhand klar definierter Endpunkte aus dem Kriterien-Dokument des GKV-Spitzenverbandes (Stand: Dezember 2024). Kein Kontrollgruppenvergleich nötig; ein Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb der eigenen Nutzergruppe reicht. Wer die Studie noch nicht hat, kann eine vorläufige ZPP-Zulassung für ein Jahr beantragen – danach muss die Studie vorliegen. Liegt sie vor, gilt die ZPP-Zertifizierung drei Jahre.

Persönliche Unterstützung

Auch volldigitale Angebote brauchen einen qualifizierten menschlichen Ansprechpartner – für Einweisung, technische Fragen und inhaltliche Rückfragen. Wer das übernimmt (du selbst, ein Team, externe Coaches), ist flexibel. Entscheidend ist die nachgewiesene Qualifikation.

Qualität und Evidenz

Alle inhaltlichen Aussagen in der App und im Marketing müssen belegbar sein. Deine Zielgruppe muss klar definiert sein, Kontraindikationen müssen kommuniziert werden. Das gilt auch für eingebundene Coaches.

Nutzerfreundlichkeit

Hohe Engagement-Raten und ein positives Nutzungserlebnis sind explizite ZPP-Anforderungen. Der Leitfaden verweist auf ISO 9241 als Orientierung für die Gestaltung der Nutzerschnittstelle. Gamification, interaktive Inhalte, intuitive UX – das ist kein Nice-to-have, sondern Teil der Prüfkriterien.

Datenschutz und IT-Sicherheit

DSGVO, BDSG, SGB I – das Datenschutz-Fundament muss stehen. Darüber hinaus ist seit 2023 eine ISO 27001-Zertifizierung für das Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) verpflichtend. Bei Cloud-Diensten kommt ISO 27018 ins Spiel. Zusätzlich gilt die BSI TR-03161 als technische Richtlinie für Gesundheitsanwendungen. Wer auf Drittanbieter setzt, muss auch deren Zertifizierung nachweisen – das ist nicht delegierbar.

ZPP-Zertifizierung Ablauf: So läuft das ZPP-Verfahren

Die Einreichung läuft vollständig über das Online-Portal der ZPP. Dort legst du ein Konto an, trägst dein Angebot als Kurskonzept ein und reichst alle ZPP-Zertifizierung Unterlagen digital ein. Kurs und Kursleitung werden separat geprüft – beides kann aber parallel laufen.

Die Dauer der ZPP-Zertifizierung für digitale Präventionskurse beträgt laut ZPP maximal 10 Werktage, und das Verfahren ist kostenfrei. Bei einer Ablehnung gibt die ZPP Gründe an, und der Prozess kann neu gestartet werden.
Nach erfolgreicher Zertifizierung erhält dein Angebot eine individuelle ID und wird in der ZPP-Datenbank gelistet – sichtbar für Versicherte und Krankenkassen bundesweit.

Wie lange ist eine ZPP-Zertifizierung gültig?

In der Regel drei Jahre – vorausgesetzt, der Nachweis des gesundheitlichen Nutzens liegt vollständig vor. Wer mit einer vorläufigen Zertifizierung startet, hat zunächst ein Jahr Zeit, die entsprechende Studie nachzureichen. Online-Kurse und interaktive Selbstlernprogramme werden von der ZPP zunächst ebenfalls für ein Jahr zertifiziert, bevor die Verlängerung auf drei Jahre möglich wird.

Wer ist für die ZPP-Zertifizierung qualifiziert?

Grundsätzlich alle Anbieter, die ein digitales Präventionsangebot in einem der vier Handlungsfelder entwickeln und betreiben – von Startups über etablierte Softwareunternehmen bis hin zu Gesundheitsdienstleistern.

Entscheidend ist nicht die Unternehmensgröße, sondern die Erfüllung der ZPP-Zertifizierung Voraussetzungen: nachgewiesener gesundheitlicher Nutzen, qualifizierter Support, Datenschutzkonformität und IT-Sicherheit nach ISO 27001.

ZPP-Zertifizierung für Gesundheits-Apps und DiGAs

Nicht jede Idee passt ins DiGA-Schema. Wer eine App entwickelt, die Menschen zu gesünderem Verhalten befähigt, ohne dabei eine Erkrankung zu behandeln, ist mit dem ZPP-Weg oft besser bedient.

Geringerer regulatorischer Aufwand, kein Medizinproduktestatus erforderlich, kürzere Time-to-Market. Und trotzdem: Krankenkassen-Erstattung. Für viele Gesundheits-Apps ist die ZPP-Zertifizierung der realistischere und schnellere Einstieg in den GKV-Markt.

Warum Bornholdt Lee der richtige Partner für die Beratung deiner ZPP-Zertifizierung ist

ZPP-Zertifizierung klingt überschaubar, bis man die Details kennt.

ISO 27001, BSI TR-03161, Studienpflicht, ISMS-Aufbau, UX-Anforderungen nach ISO 9241, DSGVO-konforme Datenverarbeitung: Das sind keine bürokratischen Formalitäten, sondern technische und strategische Entscheidungen, die früh im Entwicklungsprozess getroffen werden müssen.

Genau hier setzen wir an. Bei Bornholdt Lee entwickeln wir seit über 15 Jahren digitale Gesundheitslösungen – DiGA, DiPA, SaMD, DTx und Gesundheits-Apps – 100 % Made in Germany, zertifiziert nach ISO 13485 und IEC 62304, konform mit BSI IT-Grundschutz und ISO 27001.

Wir kennen die regulatorischen Anforderungen nicht aus dem Leitfaden, sondern aus der täglichen Praxis mit über 500 Kundenprojekten und unterstützen gemeinsam mit unseren Partnern der dtXca in allen regulatorischen Fragestellungen.

Wenn du eine App oder Web-Anwendung im Präventionsbereich entwickelst oder planst, begleiten wir dich von der ersten Idee über die technische Umsetzung bis zur erfolgreichen ZPP-Zertifizierung. Strategie, Konzeption, UX/UI, Entwicklung, IT-Sicherheit – alles aus einer Hand.

Unsere Referenzen:

Dein Experte

Malte Bornholdt Experte für Digital Health
Malte BornholdtDigital-Health-Experte Bornholdt Lee GmbH

Product Owner, IT-Experte, Digital-Health-Spezialist mit über 20 Jahren IT-Projekterfahrung in der Konzeption und Umsetzung digitaler Gesundheitsanwendungen.

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FAQs

Die Prüfung durch die Zentrale Prüfstelle Prävention ist für Anbieter vollständig kostenfrei. Die Prüfung erfolgt einmal zentral, bundesweit und kassenübergreifend – separate Prüfungen bei einzelnen Krankenkassen entfallen damit.

Der eigentliche Aufwand liegt nicht in Gebühren, sondern in der Vorbereitung: Studiendaten, ISO 27001-Zertifizierung und die technische Dokumentation nach BSI TR-03161 müssen vor Einreichung vorliegen.

Jede Krankenkasse hat ihre eigene Satzung und bestimmt individuell die Art und Höhe der Bezuschussung. In der Praxis erstatten die meisten gesetzlichen Krankenkassen 75 bis 120 Euro pro Kurs, bis zu zwei Kurse pro Jahr, bei mindestens 80 Prozent Teilnahme.

Für Anbieter ist das ein relevanter Vertriebshebel: Versicherte fragen aktiv bei ihrer Kasse nach bezuschussten Angeboten.

Ja – und das ist einer der größten Vorteile des 2020 eingeführten Kapitels 7 im GKV-Leitfaden Prävention. Es erlaubt erstmals volldigitale Angebote ohne feste Kursstruktur: keine vorgeschriebene Anzahl an Einheiten, keine fixen Laufzeiten, und auch Apps können als eigenständige Anwendung zertifiziert werden.

Einen Haken gibt es allerdings: Komplett ohne Menschen geht es nicht. Nutzer müssen in die App eingewiesen werden, und bei inhaltlichen oder technischen Fragen muss ein qualifizierter Ansprechpartner erreichbar sein.

Eine Ablehnung ist kein endgültiges Nein. Anbieter erhalten Feedback zu den Mängeln und können nachbessern und erneut einreichen – so oft wie nötig, kostenfrei. Entscheidend ist, die Ablehnungsgründe sorgfältig auszuwerten und die Unterlagen gezielt anzupassen. Wer die Anforderungen an Studie, IT-Sicherheit und Qualitätsnachweise von Anfang an strukturiert aufbaut, vermeidet die häufigsten Ablehnungsgründe.